Für mehr Unabhängigkeit und Kraft für Dich: Lass locker

Sich durch nur wenig aus der Ruhe bringen zu lassen, ist unmöglich. Nun das mag zum einen richtig sein, aber zum anderen ist es dennoch erlernbar, etwas lockerer und ruhiger in Situationen zu reagieren und sich weniger zu ärgern. Das fängt damit an, dass Du Dich von festen Vorstellungen in Deinem Kopf löst.

Was meine ich damit?

Stelle Dir vor, Du brauchst weniger materielle Dinge oder bestimmte Gegebenheiten in Deinem Leben, Du brauchst weniger, dass Situationen auf eine bestimmte Weise verlaufen und Dir ist es weniger wichtig, wie sich Menschen in Deiner Umgebung verhalten. Denn das sind meist die Dinge, die uns zur Weißglut bringen können oder uns gar in Rage versetzen, aber das ist kaum gut.

Wenn Dir jemand auf die Nerven geht, dann hängt das damit zusammen, welche Vorstellung Du in Deinem Kopf hast, wie er sich verhalten sollte. Denn Du weißt auch kaum, was in seinem Kopf vorgeht. Keineswegs lässt sich dann nachvollziehen, aus welchem Grund er so handelt, wie er es eben tut. Wenn Dir das weniger wichtig ist, dann reagierst Du viel gelassener und nimmst sein Verhalten einfach an. Mehr noch kann es sogar der Fall sein, dass Du Mitgefühl für ihn empfindest, da Dein Blick weniger darauf fällt, dass Du Dich ärgerst, sondern Dir Dinge auffallen, die zuvor vor Dir vorborgen waren.

Wenn Du in einer Schlange oder im Stau stehst, kann das genauso Stress verursachen, wenn Du Dich darüber aufregst. Natürlich ist es keineswegs eine Idealsituation und könnte auch anders sein. Aber das ist ein Bild, dass sich in Deinem Kopf verankert hat und dafür sorgt, dass Du Dich aufregst. Es sind Deine Erwartungen, die dieses Bild geschaffen haben. Hattest Du schon einmal das Gefühl, dass sogar genau das Gegenteil eingetreten ist, dass Du Dir vorgestellt hast?

Wenn jemand unglücklich mit Deinen Handlungen ist und dadurch aufgewühlt ist, Dir auch Deine Handlungen vorwirft, ist in der Regel Deine Reaktion, dass Du in die Abwehrhaltung gehst und Dich zu verteidigen versuchst. Denn niemand möchte so behandelt und angegriffen werden. Wenn Du von dieser Vorstellung Abstand nimmst, entschuldigt das keineswegs ihr schlechtes Verhalten oder müsste das keineswegs bedeuten, dass Du Dich schlecht behandeln lassen solltest. Doch würde es Dich selbst weniger aufregen und innerlich aufwühlen. Du gewinnst dann an Objektivität, kannst auch hier Dinge beobachten, die Dir sonst kaum aufgefallen wären und vielleicht sogar erkennen, wie Deine Handlungen andere beeinflussen können.

Umso mehr Du an Deiner Vorstellung festhältst, desto mehr Stress kann daraus resultieren oder Dich zum Prokrastinieren verleiten, wenn etwas zu schwierig erscheint oder es darum geht, etwas zu tun, was Dir keineswegs Vergnügen bereitet, sondern Du es schlichtweg tun musst. Es kann Dich auch dazu verleiten, in langwierigen Argumenten mit anderen innerlich abzuschalten, über zu reagieren oder andere unvorteilhafte Gewohnheiten zu entwickeln.Ohne feste Ideale lebt es sich leichter und entspannter

Wie könntest Du stattdessen reagieren?

Dazu ein Beispiel: Sagen wir Du hast einen Freund, der an einer Sucht leidet oder auf eine andere Weise im Leben durch eine Krankheit beeinträchtigt erscheint. Du möchtest ihm unbedingt helfen, sich besser zu fühlen. Aber das verursacht auch Stress für Dich, weil er eben diesen Weg eingeschlagen hat – ob nun mit Absicht oder durch Zufall. Aber Dir ist dann auch kaum bewusst, ob Du überhaupt in der Lage bist, eine helfende Hand zu sein. Denn auch Deine Fähigkeiten sind begrenzt.

Dieser Stress wird dadurch hervorgerufen, da Du eine gewisse Vorstellung hast, wie sich Dein Freund verhalten sollte. Du möchtest, dass die Situation weiter in eine bestimmte Richtung erfolgt. Natürlich hast Du dabei nur die besten Absichten, aber indem Du an Deinen Vorstellungen festhältst, resultiert daraus, dass auch Du selbst leidest.

Nach diesem Bild entsteht auch eine Sucht. Egal was das Suchtmittel ist, so war hier der Grundgedanke, Schwierigkeiten oder schwierigen Situationen zu entfliehen, weil sie sich an eine feste Vorstellung klammerten und versuchten sich durch die Sucht ein besseres Gefühl zu erlangen. Mit der Zeit wurde dieses gute Gefühl das Wichtigste, was aber dazu führte, dass sich die Sucht verschlimmerte. Sie klammerten sich daran.

Ihr Leid ist für Dich offen zu sehen und Du möchtest ihnen dabei helfen, sich von der Sucht zu befreien. Das Leid dadurch beenden, aber den Großteil der Arbeit muss natürlich derjenige vollbringen, der an der Sucht leidet.

Wenn Du Dich dann kaum an eine bestimmte Vorstellung klammerst, registrierst Du die Sucht, aber hast dann weniger im Kopf, Dein Freund müsste sich auf eine bestimmte Weise verhalten oder bestimmte Dinge tun. Du zeigst ihnen viel mehr, dass er Dir wichtig ist und dass Du für ihn da bist. Du erscheinst zu Verabredungen, fragst nach wie es ihm geht oder bist Beistand zu Terminen. Du zeigst Deinem Freund, dass Du trotz seiner Sucht für ihn da bist, sein Freund bist. Du akzeptierst ihn so, wie er ist – auch wenn er im Moment an einer Sucht leidet. Du empfindest Mitgefühl. Er muss sich auch für Dich keineswegs etwas verändern.

Und du bietest Deine Hilfe an. Du zeigst Ideen auf, sodass sich Dein Freund beispielsweise durch regelmäßige Therapeutentermine helfen lassen kann oder sich im Meditieren zu versuchen, zeigst mögliche Strategien auf, um sich in einer Klinik helfen zu lassen. Aber Du hast von der Vorstellung abgelassen, dass Dein Freund, sich für eine dieser Möglichkeiten entscheiden muss. Eröffne diese Ideen als ein Geschenk. Dein Freund kann sie annehmen, muss es aber keinesfalls.

Das ist aber nur ein Beispiel, wie Du ohne Klammern dennoch unterstützen kannst, ohne dass es Dich selbst belastet. Indem Du aber weniger von einer Vorstellung geleitet wirst, desto lockerer und vielleicht sogar mitfühlender kannst Du jemandem helfen.

Wie kannst Du Deine Einstellung verändern und Dich von festen Vorstellungen lösen?

Jeder von uns hat manchmal eine Vorstellung im Kopf. Diese ganz loszulassen, ist natürlich kaum immer möglich. Es ist keineswegs einfach, die eigene Einstellung und den automatisch ablaufenden Gedankenprozess zu verändern, sich also weniger von Vorstellungen leiten zu lassen, sondern sich davon überraschen zu lassen, wie eine Situation weiter verläuft. Eine solche Einstellung zu entwickeln, ist kaum leicht und kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

Dennoch kannst Du Dich darin üben. Erwarte weniger zu viel von Dir. Wenn Du nach wie vor in die ursprünglichen Gedankenmuster verfällst, dann ist es so. Wichtig ist dann, zu erkennen, dass es auch anders geht und sich darüber bewusst zu werden, wie man auf andere Weise handeln kann.

Hier ein paar Anregungen, wie Du die neuen Gedankenmuster üben kannst:

– Wie oben bereits angedeutet, so ist es immer gut zu registrieren, wenn man lockerlassen sollte. Je öfter es Dir dann auffällt, desto öfter wirst Du in die Situation kommen und bevor Du automatisch handelst oder auf eine bestimmte Weise reagierst.

Merke, wenn Du klammerst. Wenn Dir Dein Essen nicht schmeckt, hattest Du vorher eine Vorstellung davon in Deinem Kopf. Dein Essen mag vielleicht anders schmecken, aber keineswegs ist es schlecht. Wenn Du gerade jetzt einen Kaffee brauchst, dann ist das genauso eine Art von Klammern. Wenn Du mehr isst, als Du solltest, prokrastinierst, frustriert bist oder zu Deinen Lieblingsablenkungen gehst, dann ist es das auch.

Versuche zu erkennen, wenn diese Situation eintritt.

– Mache Dir bewusst, wie Du Dich fühlst, wenn Du wieder dabei bist, Dich an eine Vorstellung zu klammern. Was fühlst Du in Deinem Körper, welche Gedanken gehen Dir durch den Kopf? Sei neugierig und versuche den Hintergründen auf den Grund zu gehen. Es sind die Kleinigkeiten, die Dir den besten Einblick geben können.

– Versuche Dich im Meditieren zu üben – für mindestens einen Monat und das für 5-10 Minuten jeweils am Morgen. Nach einem Monat kannst Du Deine Meditationssessions auf 10-15 Minuten verlängern, wenn Du das möchtest. Beobachte auch dann, ob Du in Situationen gerätst, wenn Du eher weniger meditieren wollen würdest. An was klammerst Du Dich. Gibt es genau jetzt etwas, dass Du stattdessen lieber tun würdest? Warum?

– Übe Dich im Loslassen. Löse den festen Griff in Deinen Gendanken und in Deinem Körper. Fange mit eher leichteren Situationen an und übe Dich darin, dass es Dir egal ist, wie eine Situation ausgeht. Sage Dir dabei „Es ist keineswegs notwendig, dass Dinge nach meinen Vorstellungen vorlaufen. Sie müssen keiner bestimmten Richtung folgen. Ich bin mit jedem Ausgang zufrieden. Denn das Universum wird schon dafür sorgen, weil es das Beste will.“

– Erkenne, dass das Klammern an eine Vorstellung, nur von Dir ausgeht und egoistisch ist. Wenn Du Dich an eine Vorstellung klammerst, dann ist das nur die Vorstellung aus Deiner eigenen Sicht, aber kaum die der anderen. Du stellt dann was Du willst und Deine Bedürfnisse in den Vordergrund. Das ist keineswegs ein Vorwurf, sondern die Perspektive, die Du damit einnimmst. Erkenne dies als solche an.

Erweitere Deine Perspektive über Deine eigene Sicht hinaus, um Dich so von der Gewohnheit zu lösen, alles nur auf Deine Weise zu sehen. Erkenne auch die Perspektiven anderer Menschen an, verstehe dadurch, dass auch andere leiden können und warum. Dadurch entsteht auch eine Verbundenheit zwischen euch und Du erkennst, dass Deine Handlungen andere beeinflussen können.

– Siehe das Besondere in jeder Situation. Alles was geschieht, passiert aus gutem Grund und manchmal mag man die positiven Aspekte weniger sehen. Bei Veränderungen ist es nur natürlich, sich eher der negativen Seite zuzuwenden, weil sie auch Deine geschaffene Komfortzone auflösen wollen. Auch ist niemals nur ein Weg der richtige. Es gibt einen passenden, aber das muss keineswegs der Weg aus Deinen Vorstellungen sein. Jede Art von Handlung kann besonders sein. Es gibt stets mehrere Möglichkeiten.

Diese Anregungen und Tipps begleiten Dich kaum den ganzen Weg bei dem Vorhaben, Dich weniger von Deinen Vorstellungen leiten zu lassen und Dich lockerer in Situationen zu verhalten. Sie können Dir aber dabei helfen, das Loslassen zu üben und Dich grundlegend lockerer auftretenden Herausforderungen entgegen zu stellen. Wichtig ist nur, am Ball zu bleiben und selbst zu bemerken, wenn Du ins Klammern verfällst und dann loszulassen. Und das immer wieder.

Denn dann fällt es auch leichter, die eigene Sichtweise und andere Perspektiven in Betracht zu ziehen. Sieh Dich auch weniger als Einzelner, sondern als Bestandteil eines großen Ganzen. Alles ist verbunden und wie Du handelst und reagierst, hat einen Einfluss darauf, wie andere reagieren und wie eine Situation weiter verläuft.

Bildquelle: Victor Hancek / picjumbo.com

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