Geschichten, die wir uns selbst erzählen

Es gibt Männer, die gerne stricken. Kein Scherz. Die meisten würden es nur kaum zugeben. Sie stricken Decken und auch Schals. Und das unheimlich gerne. Es ist ein Hobby zum Abschalten nach einem stressigen Alltag oder einfach nur als „Nebenbeschäftigung“ beim Fernsehen oder TV Serien bingen.

Ich kenne so jemanden. Natürlich könnte er ein wesentlich männlicheres und maskulineres Hobby wählen. Aber tatsächlich ist ihm das egal und dafür ist er zu bewundern, weil er zu seinem Hobby steht und es auch weiterhin gerne macht. Er geht dabei einer Leidenschaft nach und schämt sich dafür auch keine Spur. Und warum auch aufhören, wenn es ihn glücklich macht?

Und warum ist das so? Jener von dem ich spreche, hat bereits in seiner Kindheit damit angefangen. Als ein kleiner Junge wusste und kannte er es auch nicht besser. Es war das schönste auf der Welt für ihn. Und auch jetzt noch ist es ein Bestandteil in seinem Erwachsenenleben. Natürlich wurde er schließlich öfter damit konfrontiert, wie andere Menschen in seiner Umgebung sein Hobby sahen. Stricken ist etwas für Mädchen, hat man ihm gesagt.

Stricken als Hobby

Dennoch fuhr er mit seinem Hobby fort. Er stellte sich die Frage: „Hat die Meinung der anderen wirklich Einfluss darauf, wie ich das Stricken empfinde?“ Und die Antwort darauf war „nein“. Also machte er weiter.

Die Entscheidungen im Leben

Manchmal machen wir sie davon abhängig, was andere von uns halten oder wie bestimmte Dinge gesehen werden. Wir glauben der Allerweltsmeinung. Wiederrum folgen wir auch manchmal unserem Herzen. Und was das Bauchgefühl sagt. Doch ist das keineswegs immer der Fall, weil wir uns zu sehr von der Meinung anderer beeinflussen lassen oder eine Art Weltbild mit uns herumtragen, das ausmalt auf welche Art und Weise die Welt denkt und dass wir auch so danach handeln müssten.

Dieser eine Mann, von dem ich Dir erzählte, versuchte auch in anderen Dingen aufgeschlossen zu sein und so durchs Leben zu gehen. Doch klappte das bedauerlicherweise keineswegs in allen Lagen. Was die Partnersuche anging zum Beispiel hatte er selbst ein bestimmtes Bild davon, wie seine perfekte Lebenspartnerin aussehen und welche Eigenschaften sie mitbringen sollte, damit sie ihn selbst ergänzen könnte.

Sie sollte schlau, natürlich auch hübsch sein, aber gerade heraus und natürlich auch ein Nerd sein, so wie er es ist. Über Geld wollten sie sich kaum Gedanken machen, wenn sie zusammen waren oder aus welchem familiären oder auch von welchem religiösen Hintergrund sie kommen möge, sollte auch keine Rolle spielen. Das wäre egal. Sie sollte nur genauso ein offenes und spontanes Wesen haben, wie er und darüber hinaus ordentlich sein, weil er es eben eher weniger war.

Und was passierte?

Als er genau der perfekten Frau für ihn begegnete, registrierte er gar nicht, dass sie vor ihm stand. Sondern hielt er weiter an seinen Vorstellungen fest. Als dann besagte Traumfrau davon erfuhr, suchte sie das Weite und lebte ihr Leben weiter, ohne ihn, wählte einen anderen Partner.

Natürlich hatte ihn das sehr getroffen, dass er eine solche Chance hatte verstreichen lassen, aber hinterher ist man bekanntlich immer schlauer. Und das war eine wertvolle Lektion, die er zu lernen gehabt hatte. Und all das nur weil die eigenen Vorstellungen so stark verankert waren, dass das Offensichtliche dennoch weniger offensichtlich erschien – zumindest für ihn.

Zu lange glauben wir an Muster und Vorstellungen

Egal wie etwas erscheint, wie es auf die Außenwelt wirken mag, am Ende bestimmst Du selbst wie Du leben willst und welche Entscheidungen Du triffst. Du entscheidest, mit wem Du Dein Leben verbringen und auch mit welchen Aktivitäten Du Dein Leben füllen willst. Genauso kannst Du entscheiden, in welchem Job Du arbeitest oder wie Deine Einstellung dazu ist.

Durch Vorstellungen oder dem allgemeinen Weltbild begrenzen wir uns. Wir sehen eine Grenze, einen Horizont, aber auf welche Art Du Dein Leben gestaltest, sollte keine solchen Grenzen haben. Jeder Tag ist eine Möglichkeit, damit Du Dich wieder neu entdecken kannst, damit Du Deine Einstellung ändern und wo Du Dir selbst beibringen kannst, den Geschichten, die Du dir täglich erzählst, weniger zu glauben.

Erinnere Dich öfter daran, als Du noch Kind warst, als alles noch neu war, Du jede Menge zu entdecken hattest ohne einer klaren Linie zu folgen oder bereits im Voraus zu wissen, wie etwas endet.

Frage Dich öfter: „Was für eine Geschichte erzähle ich mir da gerade?“

Indem Du Dir diese Frage stellst, kann Dir das dabei helfen, Deine Gedanken umzustrukturieren, neue Perspektiven zu finden und weniger nur aus Deiner Sicht die Dinge und Situationen zu betrachten.

Als ein Beispiel:

Du hast Dich mit einem Freund oder einer Freundin verabredet, dass ihr in der Mittagspause telefoniert. Aber zur besagten Zeit, folgt der Anruf jedoch nicht. Und dann ist eine Stunde vergangen und noch immer keine Spur von Deinem Freund oder Deiner Freundin. Und das ärgert Dich, mit jeder Minute, die verstreicht. Und welche Geschichte erzählst Du Dir? Vielleicht redest Du Dir ein, dass Du scheinbar weniger hoch auf der Prioritätenliste Deines Freundes stehst.

Frage Dich dann:

  • Kann ich mit Sicherheit sagen, dass das wahr ist?
  • Wie verhalte und fühle ich mich, wenn ich mir eine solche Geschichte erzähle?
  • Welche anderen Möglichkeiten gibt es, die genauso eingetreten sein könnten?

Schenke Dir selbst die Zeit und den Raum, um darüber nachzudenken. Fordere Dich selbst heraus, anders zu denken.

Probiere es einmal aus. Registriere die Geschichte, die in Deinem Kopf entsteht und hinterfrage mit diesen Anregungen die Hintergründe und erforsche die Einseitigkeit darin. Erweitere Deine Perspektiven, wenn Du in schwierigen und verwirrenden Momenten bist. Mache einen Reality Check!

Das kann Dir dabei helfen, die Gedanken, die Dir weniger helfen loszulassen und offener durchs Leben zu gehen.

Bildquelle: pixabay.de / CC0 1.0

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