Es ist kaum immer wie es scheint

Wir sehnen uns oft nach einer tieferen Bindung zu anderen Menschen. Wir wollen tiefe Freundschaften, die uns festigen, den richtigen Partner, der uns stärkt und uns mit unseren Familienmitgliedern verstehen. Doch derartige Verbindungen können auch Nachteile mit sich bringen und den einen oder anderen Kompromiss kosten. Und das kann ganz schön frustrierend sein.

Es bringt kaum etwas, das abzustreiten. Keine Frage kannst Du mit jemanden befreundet sein, aber dennoch hin und wieder in die Situation versetzt sein, wie wenig dieser Freund manchmal auf Deine Bedürfnisse Rücksicht nimmt, aber gerade dann kann dies als Ursache dienen, dass sich Dein Gemütszustand ins Negative wandelt. Denn auch wenn Du zur Kenntnis nimmst, warum möglicherweise so reagiert wurde, so heißt das kaum, dass es Dir gefallen muss. Es kommt das Gefühl auf, dass Deinen Bedürfnisse weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde, was Du von einem guten Freund erwarten würdest.

Es gibt natürlich bereits unzählige Bücher mit solchen Konflikten und der resultierenden Frustration fertig zu werden. Doch kann folgender Grundgedanke, Dir eine nennenswerte Stütze sein, anders in solchen Situationen zu reagieren. Mehrere Perspektiven können den Horizont erweitern

Das Geheimnis: Interpretiere weniger gleich das Schlechteste

Es gibt verschiedene Arten von Sichtweisen, wie Du beispielsweise Handlungen anderer ansehen kannst. Zum einen kannst Du von jemanden annehmen, dass er Dir gegenüber weniger Rücksicht nimmt. Du siehst ihre Handlungen damit auf die schlimmste Weise, ohne Dich in ihre Lage zu versetzen. Viele von uns reagieren auf diese Art, ohne es zu bemerken. Es ist zu einer Routine geworden.

Wenn Du feststellst, jemand anderes wäre Dir gegenüber weniger rücksichtsvoll, kannst Du wiederum genau das Gegenteil machen und die Handlungen anderer so ansehen, als ob sie mit den besten Absichten vollzogen wurden. Sehe das Gute in ihnen. Wenn jemand weniger auf Dich achtet und sich vollständig auf sich konzentriert, heißt das womöglich, sie haben gerade selbst viel mit sich zu kämpfen oder haben einfach nur einen schlechten Tag. Denn diesen haben wir alle hin und wieder.

Natürlich rechtfertigt das keineswegs ihre Handlungen, aber sie sind dadurch verständlicher. Denn unsere Gefühle und Emotionen haben einen starken Einfluss darauf, auf welche Art wir in bestimmten Situationen reagieren. Es ist genauso möglich, dass sie von anderen verletzt wurden – vielleicht sogar von Dir und Du weißt es nicht einmal. Es ist nur eine natürliche Reaktion, dann seinem Ärger Luft zu machen, zu jammern und in seinem Ton etwas lauter zu werden.

Bevor Du also an Deine verletzten Gefühle denkst oder über andere frustriert bist, ärgere Dich weniger darüber, sondern hinterfragte die Ursache hinter der Reaktion der anderen. Verfalle weniger in Deine persönliche Verteidigung, sondern hinterfrage die Ursache und habe Mitgefühl mit ihrem Schmerz.

Warum unsere bisherige Sichtweise ein Problem darstellt …

Es ist am einfachsten, anzunehmen, dass jemand unfreundlich, rücksichtslos ist oder schlichtweg falsch handelt. Denn wir betrachten die Handlung von unserer eigenen Sichtweise. Wir gehen automatisch davon aus, dass sie es genauso sehen müssten, wie wir. Wir interpretieren damit, dass sie uns schaden wollten und das begünstigt eine schlechte Meinung. Wir empfinden Abneigung, fühlen uns frustriert und verärgert.

In Dir selbst mag dies auch eine negative Reaktion hervorrufen. Du sagst womöglich etwas, das du keineswegs so meinst. Dennoch bleibt bestehen, dass auch Du andere mit Deinen Worten verletzen kannst. Das wiederum kann einen Teufelskreis mit sich ziehen. Denn auch Dein Gegenüber kann negativ reagieren. Beide seid ihr dann weniger glücklich – eure Situation verschlechtert sich und eure bisherige Verbindung kann die ersten Brüche bekommen.

Das hilft niemanden. Noch dazu beruht es auf einer engstirnigen Sichtweise, wenn Du nur auf Dich selbst schaust. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille und wenn Dir Dein Partner, Freund oder Freundin wichtig sind, dann sollten keineswegs nur die eigenen Sichtweisen entscheidend sein.

Betrachte alle Seiten, Facetten und Wege

Vieles hat mehrere Facetten und Blickwinkel. Wenn Du sowohl auf Dich als auch auf Deinen Partner, Freund oder Freundin schaust und das Gute im Menschen hervorhebst, erfährst Du, wie sich Deine Reaktion verändern kann.

Zum Beispiel können wir nie hervorsehen, wie andere Menschen reagieren. Auch wissen andere wiederum kaum, wie wir reagieren. Denn jeder von uns sieht nur seine Sicht, in dieser keiner keineswegs daran denkt, jemand anderem zu schaden.

Auch haben sie die Tendenz in ihrer eigenen Welt zu bleiben und denken kaum daran, wie ihre Aktionen Dich beeinflussen könnten. Natürlich ist das eine einseitige Sichtweise, wie schon erwähnt, aber nur menschlich.

Wie es uns selbst passiert, so kann es auch anderen passieren, dass sie einen schlechten Tag haben, schlecht gelaunt sind oder inmitten eines Problems stecken, dass sie zuerst lösen müssen, bevor sie einen Gedanken an andere verschwenden können. Gleichzeitig kann es aber dazu führen, dass sie weniger rücksichtsvoll Dir gegenüber reagieren. Das soll ihr Verhalten keineswegs rechtfertigen, sondern Dir nur helfen zu verstehen, warum sie vielleicht so handeln. Wir alle können hin und wieder in dieser Lage sein.

Deine Mitmenschen können genauso die Angewohnheit haben, auf eine bestimmte Art zu reagieren und zum Beispiel sogleich in Abwehrstellung zu gehen, wenn sie sich konfrontiert sehen. Das muss weniger bedeuten, dass sie Dir etwas Böses wollen, sondern dass sie ein eher negatives Muster erlernt haben – zum Selbstschutz. Das kann natürlich auch verletzen, wobei Du es keineswegs verdient hast, so behandelt zu werden. Doch gewohnte Muster zu brechen und durch bessere Muster zu ersetzen, braucht Zeit.

Es ist ebenso möglich, dass sie in der Vergangenheit durch jemanden verletzt wurden und nun immer wieder davon ausgehen, dass sie verletzt werden. Also ist es ihre natürliche Reaktion, sich selbst zu schützen. Wieder ist das keine Ausrede, sondern ebenso soll es Dir einen Blickwinkel aufzeigen, um Deine Mitmenschen und ihr Verhalten besser zu verstehen.

Mit dem Hintergrund können sie durch eine Deiner Handlungen genauso verletzt worden sein, es ist Dir nur weniger bewusst. Wenn Dir gegenüber jemand eher negativer reagiert, so kann die Ursache dafür noch ungeklärt sein. Aber wiederum: Wie sollst Du es auch wissen, wenn darüber kein Wort gewechselt wurde?

Unsere Mitmenschen, Freunde und Partner können manchmal versuchen Dir zu helfen. Wenn Du aber nur mit Dir selbst beschäftigt bist und ihre Taten weniger registrierst, sie ignoriert hast oder sogar weniger ernst genommen hast, kann daraus auch resultieren, dass sie Dir gegenüber weniger freundlich oder zuvorkommend reagieren.

Hier geht es weniger um schlechtes Verhalten. Es sollte weniger die Regel sein, unfreundlich zu sein, jemanden anzuschreien oder gewalttätig zu sein. Aber ist es nur menschlich, wenn eher nur die eigene Sichtweise gewählt wird und im Zuge dessen kaum mehr alle Hintergründe bedacht werden. Doch indem wir andere verurteilen und nur ihre schlechten Seiten sehen, sehen wir kaum den ganzen Menschen und was ihn bewegt. Auch fällt es dann sehr schwer, tiefere Bindungen in unser Leben zu lassen, wenn wir nur die eine Seite betrachten. Wir alle haben unsere Fehler, daher sollten wir uns gegenseitig auch wie Menschen behandeln. Jeder von uns kann einmal weniger rücksichtsvoll handeln.

Das soll auch weniger bedeuten, in den Handlungen anderer Ausreden zu erdenken, sondern seine Mitmenschen mit ihren guten Herzen und Absichten zu sehen. Es ist wesentlich hilfreicher für Dich und andere, wenn Du Deinen Mitmenschen mehr Mitgefühl entgegenbringst

Wie kannst Du in bestimmten Situationen zum Beispiel stattdessen reagieren?

  • Wir können versuchen, andere besser zu verstehen, mehr mit ihnen zu reden und weniger zu interpretieren, was sie gemeint haben können. Wir Menschen wollen gehört und verstanden werden. Wie es Dir selbst auch wichtig ist, so solltest Du auch versuchen, anderen gegenüber mehr Verständnis zu zeigen.
  • Dann fällt es auch leichter, sich mitzuteilen und zu vermitteln, wie ihre Handlungen uns beeinflusst haben. Dennoch ganz ohne Anschuldigungen. Das zeigt Deinen Willen, aufgekommene Konflikte aufzulösen.
  • Dadurch kann es leichter fallen, Deinem Gegenüber Mitgefühl zu schenken, weil Du verstehst, was sie gerade durchmachen. Möglicherweise schenkst Du ihnen eine Umarmung oder etwas anderes, dass ihnen Kraft geben kann und sie sich besser fühlen können.
  • Oder wir empfinden Mitgefühl, aber lassen uns weniger von den negativen Gefühlen und Emotionen leiten, die uns sonst begleitet haben. Es kann auch helfen, Deinen Partner oder Freund erst einmal eine Weile alleine zu lassen, bis sie ihre Probleme und inneren Konflikte gelöst haben. Je nach Situation kann dies sinnvoller erscheinen.
  • Zeigt sich jedoch generell keinerlei Veränderung und der Konflikt lässt sich weniger lösen, dann ist womöglich besser, sich ganz von dieser Person zu lösen. Doch durch mehr Mitgefühl, mag es weniger so sein, dass Du verärgert über sie bist, sondern lediglich für Dich eingesehen hast, dass sich das Verhältnis zu Deinem Partner, Freund oder Freundin kaum mehr verbessern.

Dies stellen nur ein paar wenige Möglichkeiten dar, um in einer Beziehung zu Deinem Partner oder Deinem Freund oder Freundin die Wogen zu glätten, Konflikte zu lösen und eine tiefere Bindung aufzubauen. Es kann Dir helfen, Dein Leben mit weniger Jammern und Ärger zu gestalten.

Es geht hier kaum darum, andere für ihr Verhalten zu entschuldigen, sondern Dir zu erlauben, von negativen Handlungen weniger beeinflusst zu werden, die Dich verletzen oder verärgern. Indem Du Dich ärgerst, über eine Situation jammerst oder Deiner Wut Luft machst, tust Du Dir nur meist selbst am meisten weh und das kannst Du vermeiden, wenn Du die Menschen um Dich herum sowohl aus Deiner als auch aus ihrer Perspektive betrachtest.

Deine Gedanken gehen weniger in die negative Richtung. Indem Du anderen keine negativen Absichten unterstellst, sondern davon ausgehest, dass sie eher nur wohlwollend Dir gegenüber handeln wollten, so entwickelst Du mehr Verständnis, mehr Mitgefühl für andere und kannst so die Grundlage dafür schaffen, eine tiefere Bindung zu schaffen.

Das wiederum kann Dich zu einer wertvollen, festigenden und kraftschöpfenden Beziehung führen.

Aber das kannst Du nur herausfinden, wenn Du es versuchst. Einen Versuch kann es kaum schaden, oder?

 

Bildquelle: pixabay.de / CC0 1.0

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