Perfektionismus ablegen, so geht’s!

Bist Du jemand, der zum Parkplatz zurückgeht, um Dich etwas gerader in den Parkplatz zu stellen? Bist Du jemand, der erst zufrieden ist, wenn ein gewisser Standard erfüllt ist? Bist Du jemand, der es einfach genau richtig haben muss? Vielleicht kennst Du auch so jemanden, der gerade bei den einfachsten Dingen am längsten braucht. Und damit macht man sich selbst und andere verrückt.

Es kann ganz unterschiedliche Bereiche in Deinem Leben betreffen. Vielleicht bist Du bei Deiner Arbeit eher perfektionistisch, aber bei Dir Zuhause lässt Du viel eher etwas schleifen und dort muss kaum etwas perfekt sein. Doch wenn Du zu sehr danach strebst, dass etwas perfekt ist, weil Du zu hohe Standards hast, aber meist bleibt etwas anderes auf der Strecke. Oftmals machst Du Dir selbst unnötig Stress. perfekt aneinandergereiht

Perfektionismus ist eine Schwäche, keine Stärke

Der Perfektionismus wird oft von der Depression, Nervosität und Ärger begleitet. Gerade in Zeiten, wo es eher stressiger, heiß herläuft und viele Erledigungen auf einen warten, ist der Perfektionismus kaum eine Hilfe, sondern ein großes Hindernis. Mach Dich damit weniger fertig.

Wenn Du merkst, dass Dein Perfektionismus dazu beiträgt, dass andere Dinge grundsätzlich schieflaufen und Du Dich dadurch sogar selbst zurückhältst, dann solltest Du handeln.

Perfektionismus ist eine Form der Kontrolle. Über absolute Kontrolle kannst Du weniger verfügen.

Ja, wir sind angreifbare Wesen.

Es gibt keine garantierte Sicherheit, oder den genau einen Weg durch Risiken und Unsicherheiten des Lebens. Manchmal tragen Deine Bemühungen Früchte – vielleicht sogar über Jahre hinweg.

Wenn Du zum Beispiel in der Arbeit immer versuchst, alles mit einer konstanten Zuverlässigkeit zu erledigen, dann ist das etwas, weil es irgendwann kaum anders von Dir erwartet wird. Es versetzt Dich in die Lage, dass Du Dich fortwährend anstrengen musst, obwohl Dir weniger danach ist.

Diese Anstrengung kostet Dich immer mehr an Energie, verursacht Stress und kann sogar dazu beitragen, dass Du andere Aktivitäten, die Du gerne tust, viel zu anstrengend für Dich sind und Du sie kaum mehr ausüben möchtest. Dein inneres Regelbuch, Dein übergroß gewordenes Pflichtgefühl, Dein Sinn für Verantwortung und Fairness sagen den Ton an.

Perfektionismus macht keinen Spaß

Du setzt Dich durch Perfektionismus unter einen immensen Druck. Du meinst, die Zukunft bereits kennen zu müssen, obwohl das unmöglich ist. Immer bist Du dabei, Dir die schlimmsten Szenarien auszumalen, um diese ja zu vermeiden und im Vorfeld das Potenzial für Fehler oder Kritik so klein wie möglich zu halten.

Wenn Du aber meinst alles besser, perfekter zu machen, kannst Du auch schwer delegieren, Aufgaben aus der Hand geben, weil Deine Ideale einfach niemand genauso entsprechen kann. Andere sind vielleicht weniger flexibel wie Du und dann fällt es Dir auch schwer, gerade für so jemanden, Mitgefühl zu empfinden. Du kannst kaum jemand anderem das Vertrauen geben, diese Aufgabe genauso gut zu erledigen.

Was macht den Unterschied?

Wenn Du weniger nach Perfektionismus strebst, brauchst Du kaum immer recht haben. Deine Sicherheit hängt weniger davon ab, einen lückenlosen Lebenslauf zu haben oder als die passende Person für den Job gesehen zu werden. Doch wenn Du ein gesetztes Ziel erreichst, hast Du wahrlich das Gefühl, ein Hindernis erfolgreich überwunden zu haben, Du kannst Dankbarkeit dafür empfinden, zufriedener sein und auch Freude fühlen. Perfektionismus wird weniger etwas, was Dich definiert.

Natürlich produzieren Perfektionisten gute Ergebnisse, aber meist auf die Kosten ihrer eigenen Gesundheit, ihres Wohlergehens. Perfektionisten schlafen auch kaum die Nacht durch, weil sie ihren Kopf zu sehr damit voll haben, wie sie Aufgaben erledigen können. Sie schmieden Pläne, vergessen aber dabei, dass der Körper auch Entspannung benötigt.

Kommt Dir das bekannt vor?

Findest Du Dich manchmal in einer Situation, wo Dir kaum etwas gut genug erscheint und Du denkst, es könnte noch besser oder perfekter sein?

Lass Dich weniger von Deinen Idealen blenden, sondern erinnere Dich daran, wie die wahre Realität aussieht ….

Deine Vorstellungen haben nichts mit der Realität zu tun.

Alles ist mit Kosten verbunden. Wenn Du etwas tust, darf es kaum nur Deine Erwartungen erfüllen, sondern sollte es Dich auch keineswegs zu viel kosten – sei es Deine Energie, Deine Zeit, Deine Gesundheit.

Finde heraus, was normale Standards sind, die auch realitätsnah sind. Beweise Dir selbst, wie unrealistisch Deine Vorstellungen bisher waren. Schaue Dich um, wie andere es machen. Nimm Dir an anderen ein Beispiel, um herauszufinden, was der wirkliche und realitätsnahe Standard ist.

Bleiben auch andere Mitarbeiter wie Du länger in der Arbeit, um ein Projekt fertig zu stellen oder haben sie einfach andere Wege und sind mit einem „fast fertig“ schlichtweg mehr zufrieden? Und sorgen die niedrigeren Standards anderer Kollegen dafür, dass sie gekündigt werden? Das wohl kaum, denn auch sie bringen Resultate. Auch die Arbeit, die sie machen, ist gut.

Mach Dich weniger selbst verrückt oder andere. Deine Zeit ist es kaum wert. Und ein Bericht oder Blogbeitrag sind auch dann noch gut genug, selbst wenn Du sie kein drittes Mal geprüft hast, ob Schreibfehler enthalten sind. Auch wenn welche enthalten sind, so geht die Welt davon kaum unter. Du wirst es überleben.

Mache kleine Experimente für den Anfang

Komme hin und wieder 5 Minuten zu spät, schreibe E-Mails und schicke sie dann ab, lese weniger noch einmal drüber, sondern schick sie weg, wie sie sind. Mit diesen und weiteren kleinen Experimenten, kannst Du Deinen Perfektionismus langsam ablegen und auch andere in Deiner Umgebung sich daran gewöhnen lassen.

Wenn Du zum Beispiel gerne ins Detail gehst, lasse das eine oder andere Detail weg und schaue was passiert. Egal was nun geschieht, was Du dadurch für Dich herausfindest, ist eine wertvolle Erfahrung für Dich. Dadurch kannst Du Dir beibringen, was tatsächlich von Bedeutung ist und was eher weniger. Immer jedes Detail zu erwähnen, ist keineswegs immer wichtig. Lerne zu differenzieren.

Und selbst wenn die Erfahrung eher negativ ist, war es wirklich so schlimm? Viel mehr: Frage Dich, was Du an Zeit dazu gewonnen hast. Wie viel Deiner Bemühungen hast Du eingespart? Wie viel weniger hast Du Dich damit und andere verrückt gemacht?

Doch in Deinen Gedanken hast Du Dir wahrscheinlich viele Sorgen gemacht, wie das Ergebnis sein wird. Wie laut war die Stimme in Deinem Kopf, wieder zu Deinen alten Praktiken zurückzukehren?

Fordere Deine Gedanken heraus

Die Stimme in Deinen Gedanken sagt kaum die Wahrheit, sondern sprechen Deine bisherigen Gewohnheiten aus ihr. Eine Hilfe kann es sein, diese Gedanken genau zu hinterfragen, um herauszufinden, was Dich tatsächlich stört. Viele unserer Probleme werden erst durch unsere eigenen Gedanken verursacht. Wir machen aus einer Mücke einen Elefanten, weil wir zu sehr irrationalen Gedanken folgen.

Erkenne die Gedanken, die aus Deinem Perfektionismus heraus stammen und versuche alternative Gedanken in Deinem Kopf entstehen zu lassen. Vergleiche sie miteinander, betrachte sie und finde den realistischeren Ansatz, um eine Situation auf realistische Weise zu registrieren.

Hier ein Beispiel: Sagen wir, Du triffst Dich mit einem Freund, aber dieser ist zu spät und braucht Ewigkeiten, um zum vereinbarten Treffpunkt zu kommen.

Der Perfektionist in Dir würden erwarten, Dein Freund sollte niemals zu spät sein. Dass es eine Intrige sei, um Dein Leben zu ruinieren. Also ist es nur recht, dass Du Deinen Freud verurteilst und ihm damit ein schlechtes Gefühl gibst.

Alternativ ist es eher unrealistisch, wenn Du davon ausgehst, dass jeder immer pünktlich ist. Jeder ist einmal zu spät dran und kaum immer auf die Minute genau am Arbeitsplatz. Es hat kaum etwas damit zu tun, dass man Dir damit das Leben schwer machen möchte.

Obendrein: Wer oft zu spät ist, hat allgemein ein Problem mit Organisation, hat dann auch kaum Zeit, um eine Intrige zu spinnen.

Ziehen wir den Vergleich: Als Perfektionisten machst Du Dir unnötig Stress, spinnst Dir Szenarien zusammen, die keineswegs stimmen. Versuche daher die „falschen“ Gedanken, mit hilfreichen und wahrheitsgetreuen Gedankengängen zu ersetzen.

Zu Beginn macht das Angst, wenn Du weniger das Gefühl hast, die Kontrolle zu haben. Aber auch mit dem Perfektionismus hast Du keine Kontrolle. Löse Dich von diesem Irrglauben. Deine Angst kann durchaus eine große Kraft haben, was wiederum Prokrastination auslösen kann oder Du mehr vermeidest, Dinge zu tun, die Dich dazu verleiten, etwas anständig und nach altem Muster zu tun. Du hast das Gefühl, es könnte Dich überwältigen. Aber dennoch kannst Du einen Weg aus diesem Teufelskreis finden.

Setze Dich Deinen Ängsten aus

Dass Du Dich Deinen Ängsten stellst, ist mittlerweile zu einem Cliché geworden, so oft wie wir es gesagt bekommen. Aber es ist auch die Wahrheit, der wir ins Auge blicken sollten. Wenn Du Dich Deinen Ängsten aussetzt, lernst Du erst mehr über Dich, zu was Du fähig bist, aber dafür musst Du bereits ein, Dich dem Unbequemen auszusetzen.

Für Perfektionisten ist das zum Beispiel, das Haus in einem unaufgeräumten Zustand zu belassen – zumindest für einen Tag einmal (gerne auch mehrere). Oder es ist, sich anzuziehen, aber ohne dabei den Check im Spiegel zu machen. Oder Du lässt einen Kollegen einfach die inkorrekten Statistiken runterrattern, auch wenn Du den Klugscheißer raushängen lassen und ihn korrigieren könntest.

Mit solchen kleinen Experimenten kannst Du lernen, den Perfektionismus langsam abzulegen. Und Du merkst, dass nichts Schlimmes passiert, wenn Du weniger perfekt bist. Auch gewöhnst Du Dich an den Gedanken, fühlst Dich auch sicher in dieser Situation und dass Du kaum etwas zu fürchten hast.

Ja, wenn etwas weniger gut läuft, musst Du mit Konsequenzen fertig werden, aber meist sind diese kaum so schrecklich, dass Du keine Lösung findest. Das trifft auch dann zu, wenn sich zum Beispiel jemand weniger nach Deinen Vorstellungen verhält. Der einzige, der sich darüber aufregt, bist Du. Doch ist das kaum das Ende der Welt.

Und das ist es, was es zu lernen gilt: Nichts kann so schlimm sein, dass Du keine Lösung daraus findest. Mit Sicherheit findest Du Alternativen oder Möglichkeiten, um auf andere Weise Kraft zu gewinnen, um eine vermeintlich aussichtslose Situation oder Lebensquase zu überwinden.

Fazit

Um Deinen Perfektionismus loszuwerden, ist es wichtig, dass Du Deine Standards genau betrachtest und ob sie tatsächlich erfolgsversprechend sind, auch die Kosten von Energie und Zeit wert sind, die sie für Dich verursachen. Setze Dich Experimenten aus, um Deine Standards zu lockern. Fordere Deine Gedankengänge heraus und was die Stimme Dir in Deinem Kopf sagt. Hinterfrage ihre Standpunkte und blicke dahinter, was tatsächlich realistisch umzusetzen ist. Setze Dich Deinen Ängsten aus, so dass es wehtut, Dich dazu zwingt, aus der Komfortzone zu gehen.

Und auch was Perfektionisten über Beziehungen zu anderen Menschen lernen sollten: Sage öfter „Ich habe keine Ahnung“ und „Ich lag falsch“. Übe Dich darin, Imperfekt zu sein. Keine Ausreden, keine perfekten Antworten. Gib zu, dass Du Fehler hast und auch welche machst. Sei menschlich, sei angreifbar.

Bildquelle: Victor Hancek / picjumbo.com

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